Quelle: Südthüringer Zeitung vom 04.03.2017 / Foto u. Text Tino Hencl

Firmenbesuch Fa. Dietsch Polstermöbel

Foto: Tino Hencl

Probleme und Anregungen aus erster Hand erfahren – der Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann nahm beim Besuch des Polstermöbelherstellers Dietsch in Springstille viele Eindrücke mit.

Springstille – Eine Erfolgsgeschichte ist der Werdegang des Polstermöbelherstellers Dietsch in Springstille in den vergangenen 27 Jahren allemal.
180 gut ausgebildete Mitarbeiter produzieren inzwischen im Gewerbegebiet der Gemeinde mit moderner Technik Möbel, die den Geschmack der Kunden treffen. Doch nicht deshalb kam der CDU-Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann jüngst zum Unternehmensbesuch vorbei, sondern, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren und nicht zuletzt auch Probleme aus erster Hand aufzunehmen.

Ein Thema: Die Verkehrsanbindung. Zwar liegt Springstille im Herzen Thüringens, doch die nächste Autobahn ist ein gutes Stück entfernt. „Aus diesem Grund haben wir ein externes Lager in Walldorf bei Meiningen, von wo aus es nicht weit zur Autobahn 71 ist“, erläuterte Geschäftsführer Mathias Dietsch. Hauptmann sprach daraufhin die schon seit Langem geplante Ortsumgehung Meiningen-Helba als Zufahrt zur A 71 an. Dieser Straßenbau sei fest im neuen Bundesverkehrswegeplan vorgesehen. Bürgermeister Hans-Gert Reich brachte dagegen die Umgehungsstraße von Schmalkalden nach Zella-Mehlis ins Spiel. Eine der alternativen Trassenführungen tangiere beispielsweise das Gewerbegebiet Springstille, so dass dessen mögliche Erweiterung davon betroffen wäre. Als Nadelöhr erweise sich bislang das Viadukt in Steinbach-Hallenberg. „Wir müssten endlich mal wissen, woran wir sind – kommt die Straße oder nicht.“

Darauf konnte auch der Abgeordnete keine abschließende Antwort geben. Hauptmann verwies aber darauf, dass Bundesmittel in beträchtlicher Höhe für den Straßenbau vom Land nicht abgerufen worden seien. Bei vielen Bauprojekten sei die Planung so weit, dass quasi sofort begonnen werden könne. Ebenso ein Thema beim Gespräch, an dem auch Senior-Chefin Hella Dietsch und Ralf Liebaug, Vorsitzender der VG Haselgrund, teilnahmen: Die Gewinnung und Ausbildung von Fachkräften. Hier hat das Unternehmen beispielsweise in Sachen Wohnraum Anreize geschaffen. „Wir haben in der alten Schule in Mittelstille Mietwohnungen für Pendler eingerichtet“, verwies Mitgeschäftsführer Jörk Dietsch. Doch das allein reicht nicht: Die Region zwischen Schmalkalden und Haseltal ist traditionell eher als Schwerpunkt der Metallverarbeitung bekannt. Entsprechend fällt auch die Orientierung vieler Schüler aus. Dietsch hat deshalb
Kontakte nach Vietnam geknüpft und will zum Lehrjahres-Beginn 2018 vier bis sechs Azubis aus dem südostasiatischen Land anstellen.

Doch damit sind längst nicht alle Probleme vom Tisch, wie Mathias Dietsch ausführte. „Hier geht es darum, wo wir überhaupt eine Ausbildung auf vernünftigem Niveau bekommen.“ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) habe ihre Akquise zu diesem Berufszweig auf Null zurückgefahren. „Nicht einmal mehr
eine Prüfungskommission für diese Berufsgruppe gibt es.“ Frühere Ausbildungsbetriebe existierten nicht mehr. Im Eichsfeld würden mehrere Berufe in einer gemischten Klasse unterrichtet. Doch dort laufe die Ausbildung nicht über die IHK, sondern die Handwerkskammer (HWK). Das bringe neue Schwierigkeiten mit sich, etwa, wenn Lehrgänge innerhalb der Ausbildung nicht bezahlt würden. Ausbildungsstätten für Polsterer und Polsterer-Näher gebe es noch in Coburg oder in Dresden. Hier sei auch die Politik um Unterstützung aufgefordert, wandte sich Dietsch an Hauptmann, der auch Hilfe zusagte. Auch über Programme,
junge Leute außerhalb Deutschlands oder der EU mit Interesse für diesen Beruf anzuwerben, sollte man nachdenken, so Mathias Dietsch. „Den Bedarf an Fachkräften, den wir in den nächsten Jahren haben, können wir sonst nicht auffangen. tih

Dietsch Polstermöbel – durch schwierige Zeiten zur heutigen Stärke

1877 wurde das Unternehmen erstmals erwähnt. Damals tauchte der Schneidmüller Elias Dietsch in den Dorfannalen auf. Sein Sohn Arthur übernahm 1898 die Möbelwerkstatt. Sohn Willy trat 1929 in die Fußstapfen des Vaters und führte den Betrieb weiter – bis zur Verstaatlichung 1972.

1990 ergriff Joachim Dietsch die Chance, das Lebenswerk von Vater und Großvater zurückzuholen. Er gründete die Dietsch Polstermöbel GmbH und startete mit zwölf Mitarbeitern in Asbach. Mit Frau und den Söhnen entwickelten sie den Betrieb weiter. Nach dem Tod von Joachim Dietsch schrieben Jörk und Mathias
Dietsch die Erfolgsstory des Polstermöbelunternehmens weiter.

Mit außergewöhnlichem Unternehmergeist, energisch und konsequent hat Dietsch nicht nur überlebt, sondern präsentiert sich heute als modernes,
zukunftsorientiertes Polstermöbelunternehmen in Thüringen mit einer hochmodernen Produktion am Standort in Springstille und beschäftigt hier aktuell über 180 Mitarbeiter.

Weiteres Wachstum ist angestrebt, dafür ist Dietsch gerüstet. Flexibilität sowie die Berücksichtigung neuester Trends und Entwicklungen gehören zur Firmenstrategie.

Die Weichen für die Zukunft sind gestellt. Die 5. Generation der Familie steht mittlerweile in den Startlöchern und bereitetet sich durch Studiengänge
wie Innenarchitektur, Marketing und Betriebswirtschaftslehre auf die künftige Unternehmensführung vor. Seit 2013 arbeiten Sie mit im Unternehmen.